Winterkrankheiten
- Die hohe Bedeutung von Vorbeugung
Rasenkrankheiten führen nicht nur zu einer optischen Verschlechterung der Sportrasenflächen, sie können sogar die Funktions- und Spieleigenschaften nachhaltig beeinträchtigen und somit die Verletzungsgefahr für Sportler erhöhen.
Durch einen Befall kann der Grasbestand Kahlstellen aufweisen, was das Einwandern von Fremdarten, Kräutern, Moos oder Algen erleichtert. Aufgrund der veränderten Artenzusammensetzung und der verminderten Vitalität der Gräser wird die Regenerationsfähigkeit eingeschränkt.
Sogenannte „Winterkrankheiten“ auf Sportrasen treten vor allem in den kälteren Monaten auf, niedrige Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit erhöhen das Risiko für Pilzkrankheiten. Der richtige Zeitpunkt für vorbeugende Maßnahmen ist aber nicht der Herbst; kurz vor einer drohenden Infektion. Es sollten vielmehr während der gesamten Vegetationszeit gezielte Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, um die Widerstandsfähigkeit der Rasengräser zu optimieren. Neben den herrschenden Infektionsbedingungen spielt nämlich auch die Vitalität der Gräser eine entscheidende Rolle bei der Infektion: je geringer die Vitalität der Gräser, umso wahrscheinlicher ist das Auftreten von Krankheiten.
Vorbeugende Maßnahmen – die Grundlage des Integrierten Pflanzenschutzes (IPS)
- Lockerungsmaßnahmen, wie das Aerifizieren oder Schlitzen, beseitigen Verdichtungen und verbessern so die Wasserdurchlässigkeit und den Gasaustausch des Bodens.
- Vertikutieren/Striegeln dient der Reduzierung von Rasenfilz.
- Besandungsmaßnahmen optimieren die Durchlässigkeit für Wasser und Luft im Boden und strukturieren zudem den Rasenfilz.
- Eine ausgewogene, bedarfsgerechten Nährstoffversorgung, basierend auf Bodennährstoffanalysen, stärkt die Widerstandskraft der Gräser. Es gilt, einen Stickstoffüberschuss zu vermeiden und Kalimangel durch Zusatzgaben im Sommer und Herbst zu beheben. Im Frühjahr kann eine Stickstoffdüngung die Regeneration der Grasbestände unterstützen.
- Beim Wassermanagement helfen die Berücksichtigung der Bodenverhältnisse und der Einsatz von Bodenfeuchtemessern, Über- oder Unterversorgung zu vermeiden.
- Die Kontrolle von Schnittqualität, Schnitthäufigkeit und Schnitthöhe trägt zur Gesunderhaltung bei.
- Eine Nachsaat dient, neben der Förderung der Narbendichte, auch der Verbesserung des Grasbestandes. Hier gilt es, durch eine gezielte Sortenwahl den züchterischen Fortschritt zu nutzen und weniger anfällige Sorten einzusetzen.
- Eine angepasste Nutzung der Sportrasenflächen dient der Stressreduzierung. Ein vitaler Grasbestand ist weniger anfällig für Krankheiten.
- Chemischer Pflanzenschutz ist auf das notwendige Maß zu beschränken und sollte erst zum Einsatz kommen, wenn alle vorbeugenden und nicht-chemischen Maßnahmen nicht ausreichen. Nach Absicherung der Diagnose erfolgt die Mittelauswahl unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben (Indikationszulassung) und der Wirkungsweise (Kontaktmittel, systemisches Mittel).
Fazit
Ein ganzheitliches, vorbeugendes Pflegekonzept ist essenziell, um Rasenkrankheiten effektiv zu vermeiden, die Spielflächen dauerhaft in optimalem Zustand zu halten und die Sicherheit sowie die Spielqualität zu gewährleisten.
Schneeschimmel (Microdochium nivale)

Beim Schneeschimmel handelt es sich nicht um eine klassische Winterkrankheit, es ist vielmehr eine Nassfäule, die nicht an Schnee gebunden ist. Aufgrund des weiten Temperaturspektrums von 2 bis 20 °C tritt er teilweise schon im September auf und kann aber auch noch im April aktiv sein. Wechselnde Temperaturen zwischen 2 und 8 °C in Verbindung mit einer hohen Luftfeuchte fördern das Auftreten.
Ideale Bedingungen herrschen unter einer Schneedecke auf ungefrorenem Boden, denn dort kommen alle, einen Befall fördernden Faktoren zusammen, wie niedrige Temperaturen, hohe Luftfeuchte und ein geschwächter Grasbestand. Auch Abdeckungen durch Laub oder schattige Standorte fördern ein Auftreten.
Zu Beginn zeigen sich zunächst kleine, hellgraue bis bräunliche, wässrige Flecken, die eine Größe von bis zu 20 cm erreichen können. Die abgestorbenen Blätter der Gräser verfärben sich hellgrau bis bräunlich. Am Rand der Schadbilder zeigt sich bei hoher Luftfeuchtigkeit ein watteartiges, graues bis rosafarbenes Myzel. Typisch ist auch ein dunkelbrauner Rand, der auf eine aktive Infektion hinweist. Eine Verschleppung erfolgt über Wind, Wasser, Schuhe und Maschinen.
Typischerweise regenerieren sich die Schadstellen aus der Mitte der Flecken heraus (Froschaugeneffekt).
Typhula-Fäule (Typhula incarnata)

Anders als der Schneeschimmel stellt die Typhula-Fäule eine echte Winterkrankheit dar. Die Infektion erfolgt in der Regel bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und unter einer anhaltenden Schneedecke. Wenn der Schnee schmilzt, werden die grauen, papierartig verklebten, unregelmäßigen Schadstellen sichtbar, die bis zu 30-50 cm groß sein können. Anders als beim Schneeschimmel handelt es sich hierbei um eine Trockenfäule. Ein grauweißes Pilzmyzel zeigt sich nur bei hoher Luftfeuchte. Auf den Blättern und am Wurzelhals sind die typischen stecknadelkopfgroßen, braun-orangen Sklerotien zu finden. Hierbei handelt es sich um sehr widerstandsfähige Überdauerungsorgane. Von ihnen geht, nach der sommerlichen Keimruhe und bei geeigneten Bedingungen, auch eine erneute Infektion aus.
Typhula-Fäule tritt häufig in Mischinfektion mit Schneeschimmel auf. In der Regel beschränkt sich der Befall auf die Blattmasse, eine Schädigung des Vegetationspunktes ist selten. Im Frühjahr gilt es, das abgestorbene Pflanzenmaterial zu entfernen und die Regeneration durch eine Nährstoffgabe anzuregen.
Quellenhinweise:
- DFB – Deutscher Fußball-Bund e.V. (2027): Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz. Frankfurt/Main
- FLL, Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (2025): RSM Rasen 2025- Regel-Saatgut-Mischungen Rasen. Bonn
- SMILEY, R.W., P.H. DERNOEDEN and B.B. CLARK (2005): Compendium of Turfgrass Diseases. Third Edition. The American Phytopathological Society
Fachbegriffe
Integrierter Pflanzenschutz
Eine fachgerechte Sportrasenpflege richtet sich nach den Grundsätzen des Integrierten Pflanzenschutzes (IPS) und beinhaltet somit einen umfangreichen Maßnahmenkatalog. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Vorbeugung und Stärkung der Gräser. Monitoring, Prognose und Diagnose spielen dabei eine große Rolle. Vorrangig werden physikalische, mechanische, biotechnische oder biologische Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen. Der Einsatz des chemischen Pflanzenschutzes beschränkt sich auf das „notwendige Maß“ – mit dem Ziel, die Funktionsfähigkeit des Sportrasens zu erhalten. Seit 2014 ist der IPS im Pflanzenschutzgesetz verankert.
Indikationszulassung „Rasen“
Die Indikationszulassung beinhaltet, dass das jeweilige chemische Pflanzenschutzmittel nur in der aufgeführten Kultur (z.B. Rasen) gegen den genannten Schaderreger (z.B. Schneeschimmel) angewendet werden darf.
§ 17 PflSchG – Flächen für die Allgemeinheit
Sportrasenflächen zählen, wie viele Grünflächen (z.B. Parkanlagen, Schul- und Kindergartengelände, Liegewiesen in Schwimmbädern), zu den Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind. Um die sogenannten „gefährdeten Personen“ (Senioren, Kinder und Kranke) zu schützen, benötigt ein Pflanzenschutzmittel (PSM) eine zusätzliche Genehmigung oder Zulassung nach § 17 Pflanzenschutzgesetz. Die damit verbundenen, bußgeldbewährten Auflagen und Anwendungsbestimmungen sind zu beachten (z.B. Abstandsauflagen, Informationspflicht, Wiederbetretungsfristen). Da die Zuordnung von Flächen zu §17 Ländersache ist, empfiehlt sich, vor einem Einsatz in einem Sportstadion, eine Nachfrage beim Pflanzenschutzdienst des jeweiligen Bundeslandes.
Text und Fotos:
Beate Licht
Sportrasen-Expertin mit Schwerpunkt IPS
Golf Consulting, Düsseldorf