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Wasser auf Sportanlagen richtig managen

  • Sportplatzpflege im Wandel – Teil 2 von 4

Bild 1: Zeitgemäßes Wassermanagement hat nicht nur die Sportrasenflächen sondern die gesamte Sportanlage im Blick

Trockenheit und Hitze auf der einen, Starkregen und große Niederschlagsmengen innerhalb kurzer Zeit auf der anderen Seite: Im ersten Teil unserer Reihe „Sportplatzpflege im Wandel“ haben wir gezeigt, mit welchen unterschiedlichen Wetterbedingungen Sportanlagen heute zurechtkommen müssen.

Eine der zentralen Fragen dabei lautet: Wie gehen wir künftig mit Wasser um?

Wassermanagement bedeutet weit mehr als Beregnung. Wie viel Niederschlag fällt? Wie viel Wasser kann der Boden speichern? Wann muss zusätzlich beregnet werden? Welche Rolle spielen Grundwasser und Regenwassernutzung? Und wohin mit dem Wasser, wenn innerhalb kurzer Zeit zu viel davon kommt?

Ziel ist, vorhandenes Wasser möglichst effizient zu nutzen, möglichst lange im System Sportanlage zu halten und Überschüsse kontrolliert zu bewirtschaften.

Viel Regen bedeutet nicht automatisch viel verfügbares Wasser

Deutschland ist grundsätzlich ein wasserreiches Land. Die jährliche Niederschlagsmenge sagt allerdings wenig darüber aus, ob während der Vegetationsperiode ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Niederschläge verteilen sich regional und zeitlich sehr unterschiedlich.

Mehrere trockene Wochen können von einem Gewitter unterbrochen werden, bei dem innerhalb kurzer Zeit enorme Wassermengen fallen. Der Deutsche Wetterdienst spricht bereits bei 15 bis 25 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde von Starkregen.

20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter bedeuten auf 10.000 Quadratmetern Sportanlage bereits 200 Kubikmeter Wasser.

Kann der Boden diese Menge nicht aufnehmen, fließt ein Teil oberflächlich ab – und im durchwurzelten Bereich kann trotzdem Wassermangel bestehen.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viel Wasser fällt, sondern wann es fällt und was anschließend damit geschieht.

Vom Niederschlag über den Boden bis zum Grundwasser

Bild 2: Der Wasserkreislauf auf Sportanlagen betrachtet Verfügbarkeit, Nutzung und Ableitung gemeinsam
Bild 2: Der Wasserkreislauf auf Sportanlagen betrachtet Verfügbarkeit, Nutzung und Ableitung gemeinsam

Ein Teil des Niederschlags verdunstet direkt von Pflanzen, Boden und Oberflächen. Wasser, das in den Boden eindringt, erhöht dort die Bodenfeuchte und steht teilweise den Pflanzen zur Verfügung. Überschüssiges Wasser kann in tiefere Schichten versickern und zur Grundwasserneubildung beitragen oder oberflächlich abfließen.

Für die Wasserbilanz spielt auch die Evapotranspiration eine wichtige Rolle – also die Verdunstung von Boden und Oberflächen zusammen mit der Wasserabgabe der Pflanzen. Sie steigt insbesondere bei hohen Temperaturen, Sonneneinstrahlung und Wind.

Für den Sportrasen besonders wertvoll ist das im Boden gespeicherte Niederschlagswasser, auch als grünes Wasser bezeichnet. Blaues Wasser befindet sich dagegen in Oberflächengewässern und im Grundwasser und kann beispielsweise über Brunnen genutzt werden.

Gerade Grundwasser ist für viele Sportanlagen eine wichtige Ressource – aber keine unbegrenzte. Grundwasserstände und Brunnenleistungen können schwanken, Entnahmen unterliegen wasserrechtlichen Vorgaben. Und ein kräftiges Sommergewitter füllt die Grundwasservorräte nicht automatisch wieder auf: Ein erheblicher Teil der Grundwasserneubildung findet während der kühleren Jahreszeit statt.

Der wichtigste Wasserspeicher liegt unter dem Rasen

Bei Wasserspeicherung denken viele zunächst an eine Zisterne. Der erste und wichtigste Speicher eines Naturrasenplatzes ist jedoch der Boden selbst.

Wie viel Wasser er aufnehmen und für die Gräser verfügbar halten kann, hängt unter anderem von Bodenart, Porenvolumen, Verdichtung und Durchwurzelung ab.

Dabei ist nicht das gesamte Wasser im Boden für Pflanzen nutzbar. Zwischen der Feldkapazität, also vereinfacht der Wassermenge, die der Boden halten kann, und dem Welkepunkt, ab dem Pflanzen das verbliebene Wasser nicht mehr aufnehmen können, liegt die sogenannte nutzbare Feldkapazität.

Auch zu viel Wasser ist problematisch: Sind die Bodenporen vollständig mit Wasser gefüllt, fehlt Sauerstoff im Wurzelraum.

Verdichtungen verschärfen beide Probleme. Wasser dringt schlechter ein, kann oberflächlich abfließen oder stehen bleiben. Aerifizieren, Tiefenlockern, Besanden und eine gute Durchwurzelung sind deshalb nicht nur Maßnahmen der Rasenpflege.

Bodenpflege ist immer auch Wassermanagement.

Bodenfeuchte messen statt Beregnung schätzen

Bild 3: Die Bodenfeuchte ist der wichtigste Indikator zur Feststellung von Zeitpunkt und Menge der Beregnung
Bild 3: Die Bodenfeuchte ist der wichtigste Indikator zur Feststellung von Zeitpunkt und Menge der Beregnung

Ob beregnet werden muss, lässt sich an der Oberfläche nur bedingt erkennen. Ein Platz kann oberflächlich trocken erscheinen, obwohl im Wurzelraum noch ausreichend Wasser vorhanden ist – oder nach einer kurzen Beregnung feucht aussehen, obwohl das Wasser kaum in die Tiefe gelangt ist.

Messungen der Bodenfeuchte schaffen eine bessere Entscheidungsgrundlage. Mobile Messgeräte oder fest installierte Sensoren zeigen, wie sich der Wassergehalt im Boden entwickelt.

Dabei müssen Bodenart, Aufbau, Messtiefe und Durchwurzelung berücksichtigt werden. Ein einzelner Messwert allein sagt wenig aus. Regelmäßige Messungen zeigen dagegen Entwicklungen und helfen, rechtzeitig zu reagieren.

So wird nicht nach Kalender beregnet, sondern nach dem tatsächlichen Zustand von Boden, Pflanze und Witterung.

Beregnung: Wasser in der richtigen Menge am richtigen Ort

Bild 4: Ist die Beregnungsanlage nicht korrekt eingestellt besteht die Gefahr dass Teile des Sportrasens zu viel und andere zu wenig Wasser bekommen
Bild 4: Ist die Beregnungsanlage nicht korrekt eingestellt besteht die Gefahr dass Teile des Sportrasens zu viel und andere zu wenig Wasser bekommen

Bei der Beregnung geht es nicht darum, regelmäßig die Oberfläche nass zu machen. Die Rasentragschicht muss ausreichend tief und möglichst gleichmäßig durchfeuchtet werden.

Bei einem Spielfeld von rund 7.000 Quadratmetern können für einen Beregnungsgang etwa 80 bis 100 Kubikmeter Wasser erforderlich sein. Umso wichtiger ist es, diese Menge effizient einzusetzen.

Dazu müssen sich die Beregnungsbereiche der Regner ausreichend überdecken. Falsche Abstände, ungeeignete Düsen, Druckunterschiede, verstellte Regner oder Wind führen zu einer ungleichmäßigen Wasserverteilung. Während einzelne Bereiche bereits ausreichend versorgt sind, zeigen andere Trockenstress.

Einfach die Laufzeit zu verlängern, löst dieses Problem nicht – es erhöht lediglich den Wasserverbrauch.

Auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Bei hohen Temperaturen, Sonneneinstrahlung und Wind steigen die Verdunstungsverluste. Beregnet wird deshalb vorzugsweise zu Zeiten geringer Verdunstung und möglichst wenig Wind.

Entscheidend ist nicht, ob die Beregnungsanlage läuft, sondern ob das Wasser in der richtigen Menge dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Regenwasser speichern – Zisternen sinnvoll dimensionieren

Bild 5: Zisternen sind eine Möglichkeit um Regenwasser zu speichern
Bild 5: Zisternen sind eine Möglichkeit um Regenwasser zu speichern

Dächer von Vereinsheimen, Sporthallen oder Tribünen und andere geeignete Flächen können genutzt werden, um Niederschlagswasser zu sammeln und später für die Beregnung einzusetzen.

Allerdings müssen Sammelfläche, Niederschlagsangebot, Wasserbedarf und Speichergröße zusammenpassen. Bei 80 bis 100 Kubikmetern für einen einzigen Beregnungsgang wären enorme Speicher notwendig, um mehrere trockene Wochen ausschließlich mit gesammeltem Regenwasser zu überbrücken.

Zisternen dienen deshalb häufig sinnvoll als Pufferspeicher. Ein Brunnen oder das Wassernetz kann den Speicher langsam füllen; während der Beregnung steht dann kurzfristig die erforderliche Wassermenge zur Verfügung.

Gleichzeitig kann ein Speicher Niederschlagsspitzen aufnehmen und damit den unmittelbaren Abfluss bei Starkregen reduzieren.

Starkregen: Wasser speichern, versickern oder ableiten?

Bei Starkregen kehrt sich das Problem innerhalb kurzer Zeit um: Statt Wassermangel herrscht Wasserüberschuss.

Wo es die örtlichen Verhältnisse zulassen, sollte Niederschlagswasser zunächst versickert, zurückgehalten oder für eine spätere Nutzung gespeichert werden. Zisternen, Rückhalteräume, Mulden oder Rigolen können dazu beitragen.

Auf der Sportfläche selbst bleibt eine funktionierende Entwässerung unverzichtbar. Drainagen führen überschüssiges Wasser aus dem Aufbau ab und verhindern Staunässe und längere Nutzungsausfälle.

Dabei sollte immer die Ursache betrachtet werden. Verdichtungen, verschmutzte Entwässerungseinrichtungen oder ein hoher Grundwasserstand lassen sich nicht einfach durch zusätzliche Drainagen lösen.

Speichern, versickern und entwässern sind keine Gegensätze. Entscheidend ist, Wasser dort zu halten, wo es sinnvoll genutzt werden kann, und dort abzuführen, wo es die Funktion der Sportanlage beeinträchtigt.

Nicht nur der Rasen zählt

Wassermanagement endet nicht an der Außenlinie.

Auf Kunstrasenflächen muss Niederschlag zuverlässig durch den Aufbau und die Entwässerung abgeführt werden. Verschmutzungen und Feinmaterial können diese Funktion beeinträchtigen.

Auf Tennenflächen kann Starkregen Feinmaterial verlagern, Deckschichten auswaschen und Unebenheiten verursachen. Gleichzeitig benötigen diese Flächen in trockenen Phasen Wasser, um ihre Eigenschaften zu erhalten und Staubbildung zu begrenzen.

Auch Wege, Zuschauerbereiche, Parkplätze und Gebäude gehören zur Wasserbilanz. Befestigte Flächen erzeugen bei Starkregen erhebliche Abflussmengen, während Dächer gleichzeitig wertvolle Sammelflächen für Regenwasser darstellen.

Die gesamte Sportanlage als Wassersystem betrachten

Viele Sportanlagen wurden unter der Fragestellung geplant: Wie bekommen wir überschüssiges Wasser möglichst schnell von der Fläche?

Heute kommt eine zweite hinzu:

Wie können wir Wasser möglichst sinnvoll nutzen und länger auf der Sportanlage halten?

Darauf gibt es keine einzelne technische Antwort. Ein modernes Wassermanagement verbindet Niederschlag, Grundwasser, Bodenfeuchte, Boden und Vegetation, Beregnung, Speicherung, Versickerung und Entwässerung.

Bevor investiert wird, lohnt deshalb die Bestandsaufnahme: Wie hoch ist der tatsächliche Wasserbedarf? Wie arbeitet die vorhandene Beregnung? Kann der Boden Wasser ausreichend aufnehmen und speichern? Welche Leistung bringt ein vorhandener Brunnen? Wo entstehen bei Starkregen Probleme? Und welche Niederschlagsmengen könnten gespeichert oder versickert werden?

Wir unterstützen Vereine und Kommunen bei der Beurteilung des gesamten Systems – von Boden und Sportfläche über Beregnung und Wasserversorgung bis zu Speicherung, Versickerung und Entwässerung. Rufen Sie unter (08732) 93 11 60 einfach an oder schicken eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

Denn gutes Wassermanagement beginnt nicht erst, wenn zu wenig oder zu viel Wasser vorhanden ist. Es beginnt mit dem Wissen, woher das Wasser kommt, wo es gespeichert wird, wo es gebraucht wird – und wohin es geht.

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